Zur Erinnerung an Friedrich Forell
(15. September 1888 - 02. April 1968)

Im November 1933 schlug Friedrich Forell vor, “dass der Ökumenische Rat für Praktisches Christentum zu Weihnachten eine  Kundgebung erlässt, die Christenheit aller Völker solle nicht vergessen, dass der Heiland der Welt von einer jüdischen Mutter geboren wurde: Das würde für viele um ihrer jüdischen Mutter willen schwer leidenden  Christen ein großer Trost sein!”

(aus einem Brief an Prof. Keller, Genf, November 1933)

“Barmen schweigt zur Judenfrage, obgleich der Arierparagraf bereits 1933 in der Thüringer Kirche und von der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union übernommen worden war: Personen nichtarischer Abstammung oder solche, die mit einer Person nichtarischer Abstammung verheiratet sind, waren, sofort und künftig vom Dienst als Pfarrer und Kirchenbeamten ausgeschlossen. Zwar wurde dem widersprochen und die Gültigkeit des  Paragrafen war wiederholt in Frage gestellt, aber 1934 stand die  Entscheidung an.”

Damals verließ der schlesische Frauenhilfspfarrer Friedrich Forell Breslau und ging nach  Österreich, anschließend nach Frankreich und schließlich in die USA. Sein Sohn hat in  einem Grußwort beim Lutherforschungskongress in Erfurt 1983 ausgesprochen, was das für die Familie bedeutete. Und sie konnte sich doch rechtzeitig retten! Andere dann nicht mehr. Es war eine Form von Bitte um Annahme der Rehabilitation, auch eine Bitte um Vergebung, dass  unsere Kirche vor mehr als 20 Jahren das Erholungsheim der Inneren  Mission in Görlitz-Biesnitz ‘Friedrich-Forell-Haus’ nannte.”

(Bischof Dr. Hans-Joachim Wollstadt
in einem Vortrag vor der Görlitzer Provinzialsynode 1984:
“Die Kirche - Gemeinde von Brüdern und Schwestern”)

Nach Beendigung der Umbauarbeiten am Gemeinderaum im Jahre 2007, erhielt das Grundstück der Evangelischen Kirche in Wittichenau am Kolpingplatz 8 und der Särchener Straße 25 seinen Namen:

„Evangelisches Friedrich-Forell-Zentrum“.

Um das Zentrum neben seiner gottesdienstlichen auch einer angemessenen kulturellen und offenen Nutzung für den Gemeinbedarf zuzuführen und der Kirchengemeinde bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu helfen, haben interessierte und engagierte Bürger am 30. Januar 2007 den Verein Pro-Forell e.V. gegründet.

Neben der Erinnerung an Pastor D. Friedrich Forell sieht der Verein seine Aufgabe in der Nutzung und Erhaltung des Forell-Zentrums. Der Verein ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig und verfolgt ausschließlich und unmittelbar Ziele im Sinne des Abschnittes „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Er ist selbstlos tätig und will durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit das Interesse von Bürgern und Behörden wecken.

Das Evangelische „Friedrich-Forell-Zentrum“ steht mit seinen Veranstaltungen der allgemeinen Öffentlichkeit und somit jedem Interessierten unbeschadet von Herkunft, sozialer Lage, Konfession oder weltanschaulich-philosophischer Bindung zum Besuch offen. Der Verein sieht sich der praktischen, christlichen und organisatorischen Arbeit der Evangelischen Kirchengemeinde verbunden und unterstützt diese bei der Bewältigung ihrer vielfältigen Aufgaben und Gemeindetätigkeiten. Angesichts der demographischen und gesellschaftlichen Umbrüche will der Verein die von Pastor Friedrich Forell ausgehenden sozialen, politischen, kulturellen und spirituellen Impulse aufnehmen und aktualisiert weiter wirken lassen.